Nimm's nicht so schwer

Schon lange störte mich die schlechte Handhabbarkeit meiner Salvi Konzertharfe, die stolze 38 kg auf die Waage brachte. Verglichen mit meiner Volksharfe (18 kg) ist das doch ein beträchtliches Gewicht, das es zu verladen und herumzuschleppen gilt. Die Gerüchte, dass es bald eine Volksharfe mit Doppelpedalsystem gibt, halten sich hartnäckig, aber bei keinem Hersteller ist es schon spruchreif und als sich eine meiner Schülerinnen unsterblich in meine Salvi Daphne verliebte, begann ich die Suche nach einer anderen, leichteren Konzertharfe.

 

Da es mir ja vor allen Dingen um die Leichtigkeit ging, wäre es natürlich nur konsequent, einen anderen Werkstoff als Holz anzuvisieren. Die Starlight des amerikanischen Herstellers Heartland Harps ist eine vollumfängliche Konzertharfe aus Karbon und bringt nur etwas mehr als 17 kg auf die Waage. Das trägt man auch mal einfach so auf die Bühne. Wer sich wie ich nicht vorstellen kann, dass Karbonharfen gut klingen, sollte sich unbedingt das "Harp Tasting" zu Gemüte führen. Hier werden Holzharfen neben Karbonharfen als Hörbeispiele präsentiert und ich muss zugeben, ich lag mit meiner Einschätzung oft daneben. Vielleicht sind Karboninstrumente die Zukunft und ich bin hier zu altmodisch, wer weiß. Dann gibt es natürlich auch noch den optischen Aspekt, und hier scheiden sich die Geister sicherlich mindestens ebenso sehr wie am vorherigen Punkt. Ich persönlich mag am liebsten unlackiertes Holz - sowohl bei Instrumenten als auch bei Möbeln. Leider gibt es in der näheren Umgebung keine Möglichkeit, sich eine solche Harfe anzusehen - ansonsten wäre mein Interesse trotz der mind. 32.000$ groß gewesen, die Starlight Probe zu spielen.

 

Bleibt also Holz. Wer hier weniger Gewicht haben will, bekommt auch weniger Material: entweder sind die Harfen kleiner, oder sie haben weniger Tonumfang, oder beides. Eine der wenigen Ausnahmen bilden die Series 19 mit geradem Resonanzkörper von Resonance Harps, die ich nicht getestet habe, sowie die Aeolian von Ayoama (baugleich mit der Princess Sakura, aber unverziert), die laut Herstellerangaben nur 28,5 kg auf die Waage bringt. Camilla Pinder vom Harfenland erklärte mir, dass dies am verwendeten Walnussholz liegt. Daher ist diese Harfe preislich im Vergleich zu den Semi Grand Harfen auch im oberen Bereich angesiedelt. Es ist eine hochwertig verarbeite Harfe mit breitem Resonanzkörper in Walnussholz, hat einen vollen und ausgewogenen Klang, war jedoch einfach nicht meins. 

In deutlich günstigerem Gefilde liegt man mit den Etude-Harfen: es gibt sie mit 42, 46 und 47 Saiten. Sie sind wunderschön designt und haben einen vollen Klang, jedoch sollte man bei Ayoama eher ein kraftvoller Spieler sein, ähnlich wie bei Salvi. Ayoama hat aber eine breite Auswahl an leichteren und kleineren Harfen, man wird exzellent beraten und hat bei Pinders die Möglichkeit, die Harfen in der Nähe von Bonn oder Berlin ausgiebig zu testen. 

 

Obwohl ich mit meiner Salvi rundum zufrieden war, war der Wechsel zu einer anderen leichteren Salvi wenig sinnvoll. Entweder wäre das der Umstieg auf die Daphne 40 gewesen, oder der Umstieg auf eine Daphne 47 jüngeren Baujahr, da die Harfen von Salvi wohl leichter geworden sind. So wiegt die Salvi Daphne 47S laut Herstellerangaben heute 34 kg, das Wiegen meiner Daphne 47S (Baujahr 2004) ergab mindestens 38 kg. Lyon&Healy und Salvi Harfen gibt es in Deutschland in Remagen und Berlin, aber auch bei anderen Händlern wie Fischer Harfen in Traunstein oder Glissando

 

Lyon&Healy habe ich von vornherein als Möglichkeit für mich ausgeschlossen, da die wirklich leichte Variante hier nur 40 Saiten hat, und das ist mir für eine Doppelpedalharfe dann doch zu wenig. 

 

Optimal kamen mir bei meiner Recherche die 44 Saiten der legendären Clio von Camac vor. Die unteren Bassaiten würde ich nicht vermissen. Gegenüber meiner Daphne 6-8 kg Gewicht, das eingespart werden kann! So die Theorie. In der Praxis dann die Ernüchterung: ich fühlte mich an der Clio völlig fehl am Platz, mit meinen 1,71 m und eher langen Beinen waren meine Füße gefühlt vorn an der Säule. Ich kam ich nur sehr umständlich an die eng gestellten Pedale, knallte mit den Knien immer an den Resonanzkörper. Die Clio ist aber mit Sicherheit eine tolle Harfe für kleinere Spieler:innen oder jüngere Schüler:innen. Der Klang war schön, jedoch auch in der verbreiterten Variante nicht vergleichbar mit den großen Doppelpedalharfen. 

 

Daher setzte ich mich ganz entgegen meiner ursprünglichen Absicht an die 35 kg schwere, mit vollem Saitenumfang versehene Égérie - und was soll ich sagen: ich habe mich verliebt. Unwiederbringlich. Ein wahnsinniger Klang - die verbreiterte Form war hier im Volumen nicht überlegen - ein tolles Spielgefühl, die Ergonomie passte. Gewichtsmäßig habe ich also nur 3 kg eingespart gegenüber meiner Salvi, jedoch überzeugte mich die Camac auch dadurch, dass sie einen sehr feinen Anschlag hat und sich sehr leicht spielt, was meinem Naturell entgegen kommt. Ich habe meine Harfe in Bonn bei Andrea Thiele Probe gespielt und gekauft, es gibt aber auch in Berlin im Camac Shop die Möglichkeit, dieses neue Klangwunder aus Frankreich zu testen. Beim Verladen hilft mir die absolut unschlagbar designte Transporthülle mit Griffen an genau den richtigen Stellen. Bisher bin ich mehr als überzeugt von Camac! 

 

Nachdem mein Herz schon entschieden hatte, habe ich mir die russischen Resonance Harfen, in Deutschland vertreten von Detlef Smusch, nicht angesehen. Hier gibt es aber einige sehr interessante Modelle, sowohl vom Preis als auch vom Gewicht. Es gibt hier zwischen Mainz und Bonn die Möglichkeit, die Harfen auszuprobieren. Detlef Smusch organisiert aber bei mehreren Interessenten auch ein Treffen näher am eigenen Wohnort. Und es gibt mit Iris und Capris zwei kleine 10-saitige Harfen (ohne Haken), die optisch wie Konzertharfen aussehen.. eine süße Idee. Danke an Detlef für die Bereitstellung des Titelbildes!

 

In der Übersicht unten sind alle (Holz-)Harfen, die für meine Belange in Frage kamen, aufgelistet. Die Tabelle kann anderen Suchenden auf Anfrage gern als Excel-Tabelle zur Verfügung gestellt werden. 

 

Keep harping!